


Auch in Grün ein Leistungsträger
Tommy Wirtz hat sich in seinem neuen Team Saarlouis aus der dritten Bundesliga schnell integriert
Von David Thinnes (Saarlouis)
Es ist ungewöhnlich, Tommy Wirtz nicht im blauen HBD-Dress Handball spielen zu sehen. Der ehemalige Düdelinger hat sich bei seinem ersten offiziellen Auftritt mit seinem neuen Verein HG Saarlouis – der in grünen Trikots spielt – bestens verkauft.
Einen besseren Premierengegner konnte es nicht geben: Am Samstagabend trafen Wirtz und Co. im Pokal auf den Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. „Vielleicht spielen wir ja sofort gegen ein Bundesligateam“, hatte der Luxemburger Nationalspieler Mitte Mai bei seinem letzten Heimspiel in Düdelingen gesagt.
Und so kam es dann auch. Saarlouis war in der ausverkauften Stadtgartenhalle vor 1 550 Zuschauern zwar chancenlos, aber für die Spieler war es ein Riesenerlebnis. „Es war ein perfekter Auftakt. Die Rhein-Neckar Löwen sind im Süden Deutschlands sicherlich das bestmögliche Los. Vor solch einer Kulisse aufzulaufen, ist eine Riesenchance“, erklärt Wirtz nach der Begegnung, die mit 46:23 an den haushohen Favoriten ging.
Dennoch verkauften sich die Gastgeber gegen den Pokalsieger von 2018, der ohne die Stars Uwe Gensheimer (D) und Andy Schmid (CH) antrat, vor allem in der ersten Halbzeit gut. Wirtz hatte einen schweren Stand gegen einen der besten Rechtsaußen der Bundesliga, Patrick Groetzki. „Er ist unglaublich schnell. Und auch wenn er dir viel Platz lässt, macht er den Winkel immer zum richtigen Moment zu“, analysiert der ehemalige Düdelinger. So kam es, dass der 27-Jährige erst in der 16.’ seinen ersten Ballkontakt hatte. Und diesen Konter verwandelte er sofort. Zwei Minuten später erhielt Wirtz den Ball zum zweiten Mal: erneut ein Tor. Dann musste sich der FLH-Nationalspieler wieder einige Minuten gedulden, bis er mit dem dritten Ballkontakt sein drittes Tor erzielte.
Wirtz zeigte, warum Saarlouis ihn verpflichtet hat: Sechs Mal schoss er aufs Tor, fünf Treffer standen zu Buche – der letzte war ein spektakulärer Kempa-Trick. Der ehemalige HBD-Kapitän knüpfte mit dieser Leistung an die Vorbereitungsspiele an, in denen er viele Tore erzielte und zum Leader avancierte. „Gleich vom ersten Testspiel an haben meine Teamgefährten mir vertraut. Sie haben gesehen: ,Der ist ja gar nicht so schlecht.‘ Ich habe dann immer mehr Bälle bekommen und sie auch rein gemacht.“
Gilles Thierry: Noch ein Luxemburger in Saarlouis
Auch sein Trainer Philipp Kessler, der von 2011 bis 2012 bei Red Boys Differdingen aktiv war, zeigte sich mit seinem Neuzugang zufrieden: „Tommy macht seine Sache sehr gut. Ich kannte ihn ja schon länger. Er ist der beste Linksaußen in Luxemburg. Und der Weg in einen professionelleren Bereich war genau das Richtige für ihn.“
Kessler kann nun auf zwei Spieler aus dem Großherzogtum bauen. Neben Wirtz spielt auch Gilles Thierry, ein ehemaliger Red-Boys-Mitspieler, in Saarlouis. „Für mich wird es die dritte Saison. Zu Beginn spielte ich mit dem zweiten Team, bei dem ich viel in der Verantwortung stand. Mit der ersten Mannschaft gehe ich in meine zweite Spielzeit. Hier spüre ich nun auch, dass ich mehr Verantwortung übernehme werde“, so der 28-Jährige. Thierry kann nun auch im Training und den Begegnungen wieder mehr Luxemburgisch reden, auch wenn er darauf hinweist, dass „der saarländische Dialekt sehr nahe an unsere Sprache herankommt. Man muss also schon aufpassen, was man sagt“.
Auch für den ehemaligen Differdinger, der gegen die Rhein-Neckar Löwen vor allem in der Defensive eingesetzt wurde, findet Kessler lobende Worte: „Wie auch Tommy versteht Gilles den Handball sehr gut. Gilles hat sich gut entwickelt und körperlich zugelegt. Er ist nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben sehr wichtig für das Team.“
Das Duell gegen die Löwen war gleichzeitig auch das Ende der Saisonvorbereitung, die Anfang Juni begonnen hatte. „Der Trainer hat mir sofort gesagt, ich müsste noch in den Kraftraum“, hatte Wirtz im Mai gesagt. „Ich habe viel Zeit dort und auch auf der Laufpiste verbracht. So habe ich dann einige Kilogramm an Gewicht verloren. Wenn der Trainer dies verlangt, macht man das. Jetzt bin ich aber froh, dass die Saison beginnt. Mir reicht es jetzt mit dem Laufen und dem Krafttraining,“ verriet Wirtz nun am Samstag mit einem Lächeln.
Am Freitag beginnt die Saison in der dritten Liga. Wirtz wird auch in Grün eine wichtige Säule seiner Mannschaft sein.