Svetlana – Artikel am Tageblatt

Svetlana – Artikel am Tageblatt

Ein ehemaliger Weltstar

HANDBALL Gespräch mit HBD-Neuzugang Svetlana Ognjenovic

Fernand Schott
Kurz vor Beginn der Meisterschaft gab der HBD noch einen spektakulären Transfer für seine Damenmannschaft bekannt. Mit der früheren serbischen Nationalspielerin Svetlana Ognjenovic zogen die Düdelinger nämlich einen besonderen Fisch an Land. 
Auch wenn die ehemalige Weltklassespielerin eigentlich schon vor fünf Jahren einen Schlussstrich unter ihre Karriere auf hohem Niveau gezogen hatte, blieb sie jedoch im Trainerstab des Metz Handball tätig. Svetlana Ognjenovic spielte in ihrer Heimat bei ŽRK Belgrad, ŽRK Knjaz Miloš und ŽRK Naisa Niš, mit dem sie 2007 serbische Meisterin wurde. Nachdem sie während einer Saison für den dänischen Verein FH Slagelse auflief, wechselte die 1,66 Meter große Linksaußen anschließend nach Frankreich zu Metz Handball. Mit Metz gewann sie 2009, 2011, 2013 und 2014 die Meisterschaft, 2010 und 2013 den französischen Pokal sowie 2009, 2010 und 2011 den französischen Ligapokal.
Zudem stand sie mit Metz 2013 im Finale des EHF-Pokals, das gegen den dänischen Verein Holstebro verloren ging. Mit der serbischen Nationalmannschaft (113 Spiele, 195 Tore) erreichte sie 2012 bei der EM den vierten Platz und gewann bei der WM 2013 nach der Finalniederlage gegen Brasilien die Silbermedaille.
Besonderes Aufsehen wurde der Serbin während eines Champions-League-Spiels gegen den österreichischen Meister Hypo Niederösterreich zuteil. Ognjenovic war nämlich beim Spielstand von 27:27 sieben Sekunden vor Ende der Partie während eines Tempogegenstoßes von Hypos Trainer Gunnar Prokop gefoult worden, der damit für einen gehörigen Skandal sorgte. Prokop wurde umgehend des Feldes verwiesen und später auch für ein Jahr gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt. Sein Ziel hatte der Coach, der in der Vergangenheit schon mehrfach unangenehm aufgefallen war, aber erreicht: Das Spiel endete mit diesem Unentschieden.
Es ist also schon außergewöhnlich, dass eine frühere Weltklassespielerin in der luxemburgischen Meisterschaft aufläuft. Das Tageblatt sprach mit der erfolgreichen Handballerin über ihre Karriere und was sie dazu bewegte, nach Luxemburg zu wechseln.
Tageblatt: Was war ausschlaggebend, dass Sie vom Rücktritt zurückgetreten sind und sich jetzt beim HBD engagiert haben?
Svetlana Ognjenovic: Eigentlich habe ich schon vor ein paar Jahren den Handball auf hohem Niveau aufgegeben. Seitdem bin ich Trainerin im Jugendbereich in Metz. Dort arbeitet auch der heutige Düdelinger Frauentrainer Stéphane Mina. Und da es mir immer noch Spaß macht, auf dem Spielfeld zu stehen, habe ich sein Angebot angenommen. Mit meiner professionellen Spielerkarriere hat das aber nicht viel gemein. Damals trainierte ich zweimal am Tag, heute zweimal in der Woche. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ich meine Erfahrung an dieses junge Team weitergeben und so der Mannschaft helfen kann. Einige Tipps an die jungen Talente beim HBD kann ich schon noch geben.
Was waren die Höhepunkte in Ihrer außergewöhnlichen Karriere?
Es gab viele schöne Momente in der Karriere. Viele enge und hart umkämpfte Begegnungen, an die man sich gerne erinnert. Natürlich auch der erste Meistertitel in Serbien oder der erste in Frankreich, die Pokalsiege mit Metz usw. Besonders die beiden Finalteilnahmen aus dem Jahr 2013 sind schon noch im Kopf präsent. Die erste mit Metz im EHF-Cup, die zweite mit der serbischen Nationalmannschaft bei der WM 2013.
Jedoch gingen beide Finalspiele verloren, und so wurden wir leider nur Vizeweltmeister. Deshalb habe ich vielleicht den Sieg im Halbfinale gegen Polen in besserer Erinnerung. Damals war der Einzug ins Finale für uns ein Traum, der in Erfüllung ging.
Was sind die Ziele, die Sie sich in Luxemburg beim HBD gesetzt habe?
Nun, vor allem will ich Spaß haben. Ich liebe den Handball und die Herausforderungen auf dem Platz. In Metz habe ich nicht nur auf der Außenbahn, sondern ebenfalls im Rückraum gespielt. Das kann ich auch hier tun. Ich bin mir bewusst, dass es nicht mehr das Niveau ist, das ich in meiner professionellen Karriere gewohnt war. Doch ich bin älter geworden und so passt das. Beim HBD gibt es aber eine Reihe talentierter Mädchen, denen ich helfen will, sich zu verbessern. Dann wird auch das Niveau steigen. Ein weiterer Meistertitel hier in Luxemburg würde mir schon Spaß machen.
Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie damals in der Champions League vom Hypo-Trainer beim Gegenstoß in den Schlusssekunden gefoult wurden?
Mal ehrlich, das glaubt man einfach nicht. Ich war bestimmt die Einzige in der Halle, die nicht wusste, was geschehen war. Ich war verärgert, dass man mich noch eingeholt hatte. Keine Ahnung, dass es der Trainer gewesen war, der das Spielfeld betreten hatte.
Es blieb beim Unentschieden. Frustrierend war, dass Prokop sehr zufrieden lächelnd das Spielfeld verließ. Sehr sportlich war das nicht und auch wohl einmalig im Handball.